Subtitle [Lab Waste | Project Blowed]

Project Blowed Urgestein Subtitle und Adlib von Global Phlowtations sind im Vorprogramm der Mars Volta & Radio Vago Europa-Tour aufgetreten. Wir haben die Gelegenheit genutzt und nach der Show im Wiener Flex ein Interview mit den Beiden geführt. Ãœber das Indierock Label Goldstandardlabs – kurz GSL – ist bereits eine CD EP von Subtitle erschienen; eine Vinylversion wird noch folgen. Lest hier nun das Interview mit Subtitle der Westcoast Workforce. In Kürze wird es hier dann auch das Interview mit Adlib zu lesen geben.

Stell Dich mal vor, wer Du bist und welche Crews Du repräsentiert!
Ich bin Subtitle aus Los Angeles, Kalifornien, von der Gruppe Lab Waste. Das sind Adlib und ich. Außerdem repräsentiere ich Project Blowed, Shape Shifters und jede andere Gruppe aus dem Westen. Goldstandardlabs Nummer One.

Was ist mit Westcoast Workforce? Gibt’s die Crew noch?
Uns gibt’s noch auf dem Papier, doch wir sind alle mit unseren persönlichen Angelegenheiten beschäftigt. Vor 1 1/2 Jahren hab ich begonnen andere Sachen zu machen. Es gab kreative Differenzen, mit denen die anderen Mitglieder nicht glücklich waren. Wir sind alle noch gute Freunde, aber wir werden keine Million Shows mehr zusammen machen. Das letzte Jahr habe ich mit Leuten aus der Crew zusammengearbeitet: Anti MC und ich arbeiten an einem Projekt für Mush Records und ich helfe Radioinactive sein neues Album zu produzieren. Ich werde mit Joe Dub touren, mit dem ich 1998 das Album Appropriately Complex gemacht habe, das zuerst nicht herauskommen sollte, aber jetzt ist es coolerweise auf Asita Recordings rausgekommen. Megabusive kommt wieder heraus nachdem er sich eine Weile im Norden versteckt hat. Mit ihm zusammen werde ich Millionen Sachen machen.

Weekend Science Experiment mit Mum’s The Word als Produzenten hat mir sehr gut gefallen. Wirst Du mit ihm noch mal was machen?
Im Moment arbeiten wir an anderen Enden; haben verschiedene Pläne. Es gab zu unserem ersten Album The Binary Theorem noch den Nachfolger 1B, ein sehr gutes Album, dafür hat er ein Label gesucht, aber wir haben es dann wieder selbst auf dem Underground-Markt verkauft. Es waren viele Gastauftritte darauf enthalten, zum Beispiel ein Song mit mir, Murs und Oh No. Das neue Mum’s The Word Album People Keep Movin, der Nachfolger zu The People Mover, ist rausgekommen, auf dem sehr viele Leute gefeatured sind. Ich konzentriere mich mehr auf die experimentellen Sachen, da ich mehr elektronische Einflüsse habe. Versteh mich nicht falsch, ich liebe das Weekend Science Experiment, aber als wir das zweite der beiden Alben gemacht haben, waren die Erwartungen groß und wir sind ins Studio gegangen mit dem Druck im Rücken, es toppen zu müssen. Aber warum toppen? Es war ein Ding für sich. Man kann nicht immer kopieren und kopieren. Wenn ich mit Adlib diese sehr verrückten Sachen mache, habe ich mehr Freiheit und kann die Musik schreiben, die ich schreiben will, und die Leute wollen etwas anderes hören, nicht immer die selben 60 oder 6 Rapper immer und immer wieder.

Wer hat die Beats von dem neuen Zeug das Du auf dieser Tour präsentierst gemacht?
Die ersten vier Beats waren alle von mir und die letzten drei von Adlib. Auf meiner neuen EP hat er zum Track “Hard Light” einen Remix gemacht. Ich weiß nicht, ob Du mein erstes Album “How 2 Beat the Beat” von 1996 gehört hast, wir haben auch eine neue verrückte Version gemacht von einem alten Song.

Erzähl noch was zur neuen EP!
Sie heißt I’m always recovering from tomorrow und kommt offiziell Ende April rausDavon wird es irres Vinyl geben, die ersten werden orange sein. Außerdem wird eine 7″ kommen, die wir eigentlich schon zur Tour fertig haben wollten. Mit einer Coverversion eines Gedichts von einem Black Magic Typen, auf der anderen Seite wird der Song “Deadly Rem Attack” sein, ein auf double time gechoppter Song. Eine Menge vom neuen Zeug ist definitiv im Mittelfeld, mehr on-beat, on-time, und dann werde ich hier und da choppen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, damit der Höher gespannt ist, was als nächstes kommt. Es ist bei Rappern wie bei Drummern, man kann sehr oft den Schlag auf der 2 und 4 hören, daher ist es für mich wichtig, da auch auszubrechen. Ich respektiere auch Rapper wie Rasco, der einen sehr signifikanten Flow hat, nur variiert er nicht so viel, wie zum Beispiel El-P auf seinem neuen Album, wo er teilweise im alten Company Flow-Style rappt, aber das mit allem möglichem neuen vermischt. Ich konzentriere mich auf Lyrics, Verses, Style!

Wie kam es dazu, dass Du mit den Rockgruppen Mars Volta und Radio Vago auf Tour bist?
Als eine Weile der Hiphop in L.A. stagnierte und ich rapmäßig ausgebrannt war, habe ich mich auf Produktionen konzentriert und Remixes gemacht. Die gefielen Sonny vom Label GSL und Omar von der Band Mars Volta, die auch eine Dub Band haben. Es ist kein anderer Rapper auf dem Label, aber sie wissen die Musik zu schätzen. Sie sind die Sache eben nicht so angegangen: Wir brauchen einen Rapper, lass uns einen finden! Die letzten 10 Jahre haben die Leute Rockmusik rausgebracht und so ist es auch eine Ehre für mich, das zu ändern. Mars Volta sind einige Wochen mit den Red Hot Chilli Peppers in Europa getourt und haben danach ihre eigenen zwei Wochen mit Radio Vago, also haben sie mich gefragt, ob ich dabei sein möchte als Opener. Meine Einflüsse kommen zu einem Drittel aus HipHop, sonst höre ich auch viel Rock.

Hast Du auch schon mit Musikern zusammen Songs gemacht, die Instrumente spielen?
Ja, ich hab mit Xololanxinxo und Tommy V. einen Song gemacht, bei dem wir vier Minuten auf Instrumenten jammen. Xinxo spielt Gitarre und Drums, ich spiele Keyboard und Tambourine. Tommy singt in seinem unverwechselbaren Stil (singt einen Chorus von ihm nach). Es ist ziemlich lustig, wir sind alle Rapper, aber können auch Instrumente spielen. Auf dem neuen Xololanxinxo und Tommy V Projekt “TOCA” wird auch viel gesungen. Da ist noch eine Gruppe namens Anonymous Inc. aus Connecticut involviert, die sowohl rappen wie auch sehr gut Instrumente spielen können, drüber singen und einfach machen was sie wollen. Seitdem wir das gemacht haben, habe ich mehr Zugang zu talentierten Musikern als jemals bevor, ich lasse mir auch Sachen einspielen für meine Beats. Xololanxinxo hat fünf Projekte gleichzeitig laufen, die alle komplett unterschiedlich sind. “TOCA” ist ziemlich Dub beeinflußt.

Wie findest Du die neue Murs LP?
Murs und ich sind gute Freunde, wenn wir uns nicht gerade streiten. Sein neues Album ist nicht schlecht. Es läuft gut. Doch es ist nicht mein Ding weil alle zwei Songs der Produktionsstil wechselt, da verliere ich die Aufmerksamkeit. Wenn man Beats von nur drei oder vier Leuten nimmt ist das ganze linearer und das Team ist gut aufeinander eingespielt, wie bei seinen Alben davor. Murs hat ein Snippet Tape zu dem Album gemacht, das von DJ Z-Trip gemixt wurde, auf dem er auch einen Freestyle eingerappt hat, wegen dem ich fast in den Fluß gesprungen wäre. Ich fand’s großartig und hab ihm gesagt, daß der Freestyle besser ist als das normale Album. Natürlich ist das verrückt. Aber es kommt nicht darauf an was ich sage, denn es ist nicht mein Album.

Hast Du seit dem Interview, das Murs mit Dir auf Deinen Album-Skits gemacht hat, einen Schuh-Sponsor gefunden? Du hattest erzählt, Du suchst einen.
(lacht sich kaputt) Ja, jemand hat das Album gekauft und mir dann auf meinem Anrufbeantworter eine Nachricht hinterlassen. Ein bekannter Skateboarder von der Firma Circa Shoes hat mir so viele Schuhe angeboten wie ich möchte. Aber als ich erzählt habe, daß ich Größe 15 habe, konnte er nichts für mich tun. (lacht) So grabe ich überall nach Schuhen. In Rotterdam habe ich ein paar Skateschuhe gekauft. In London werde ich nach Nikes schauen. Die Plätze wo ich gute Schuhe finde, sind immer in Ãœbersee, niemals in den USA. Hoffentlich werde ich zu Hause einen Sponsor wie Vans finden, der mir große Schuhe geben kann. Das wäre nett. Aber an diesem Punkt habe ich aufgegeben. Die kümmern sich nicht. (lacht)

Du bist in den Niederlanden gewesen, aber bist dort nicht aufgetreten?
Nein, wir waren Ende März zuerst für zwei Tage in Rotterdam und einen in Amsterdam, aber mehr zum Urlaub. Wir würden gern dort auftreten. Rotterdam ist meine Lieblingsstadt. Amsterdam ist auch sehr nett, es hat alles was es braucht. All die Aktivitäten, die in den Staaten nicht legal sind, und so sehr ich es liebe, ist es etwas wie Disneyland in bestimmt Teilen. Rotterdam ist sehr ruhig, nette Coffeeshops, viele Mädchen wohin man guckt, Plattenläden, wundervoll! Die Architektur dort gefält mir. Wir sehen auf der Tour verschiedene Teile Europas, wir kommen jetzt nach Osteuropa. In L.A. sind die Cops ziemlich korrupt. Ich weiß nicht welches Level der Korruption hier existiert. Wir hatten hier Probleme weil wir zu schnell gefahren sind und den mysteriösen Bullen Geld zahlen mußten um die Registration und das Auto wieder zu bekommen. Eine Stunde später sind wir wieder zu schnell gefahren, aber da hatten wir Glück, weil die Bullen die Mädchen im Radio Vago Tourbus wie ein paar Perverse angeguckt haben, so haben die dann von uns abgelassen. In Wien sind wir dann eine Einbahnstraße in die falsche Richtung gefahren. Eine Frau wollte uns nicht aus der Straße rauslassen und mit dem Handy die Polizei rufen. Die Leute schauen auf das niederländische Autokennzeichen, mit dem wir herumfahren, und denken wir würden überall kiffen.

Du hast am Anfang gesagt, dass Du Project Blowed repräsentierst. Ist es immer noch möglich, jeden Donnerstag zu diesem Open Mic Workshop in L.A. zu gehen?
Ja, aber unglücklicherweise nicht mehr lange, weil der miese Stadtrat dabei ist, die ganze Community um diesen Park, wo das Project Blowed ist, zu schließen und daraus eine Einkaufsmeile zu machen; mit nem Wal-Mart und so. Viele Besitzer dort bieten ihre Immobilien schon zum Verkauf an. Es gibt auch mit dem Project Blowed so eine Entwicklung, daß die eigentlichen Rapper nicht mehr die ganze Zeit da sind. Es kamen neue Leute, viele Knuckleheads und Gangstas, die nicht so ganz den Code verstanden haben, worum es dort geht. Und so ist es nicht mehr der super verrückte intellektuelle Spot wie vor ein paar Jahren. Leute wie Mikah9 und Abstract Rude arbeiten alle an Musik oder sind auf Tour. Die Sessions gehen noch weiter, aber es passieren nicht mehr so etwas wie: Du stehst auf der Bühne und rappst und im Publikum ist jemand wie Riddlore, der möglicherweise auf die Bühne kommt und Dich battled, wenn er Dich nicht mag. Das war die gefährliche Atmosphäre, die ich damals genossen habe. Leute wie Murs, Adlib, ich, Otherwize, all diese Typen sind ihre eigenen Wege gegangen. Otherwize wird übrigens was auf dem europäischen Label B9000 rausbringen.

Findet der Anniversary noch statt?
Ja, den gibt’s jedes Jahr. Dort performen Gruppen ihre Songs und Leute von außerhalb kommen. Wer die Gelegenheit hat hinzugehen, sollte sie wahrnehmen, solange es noch geht, obwohl ich denke, daß es sonst wie damals beim Good Life sein wird und es nur eine neue Location gibt.

Was machst Du in ein paar Jahrzehnten?
Wenn ich noch am Leben bin die Welt noch am Leben ist, werde ich immer noch Kunst machen, Rap, hoffentlich verheiratet sein und werde wie einige Rockgruppen noch Musik machen, wenn Leute meine Musik noch hören