Adlib [Global Phlowtations | Labwaste]

Auf der Europa-Tour von Mars Volta & Radio Vago, auf dem wir auch das Interview mit Subtitle machten, haben wir uns auch kurz mit Adlib hingesetzt, der auf der Tour für den Sound verantwortlich war. Adlib dürfte auch den meisten ein Begriff sein. Er ist Teil der Global Phlowtations Crew, die spätestens seit OD’s Beneath the Surface Compilation Gehör gefunden haben sollte, und er hat mit Subtitle ein recht junges Projekt namens Labwaste am Laufen. Was uns der Herr aus Los Angeles so alles erzählt… wisst schon. Gibt’s weiter unten.

Erzähl mal was über Dich!
Ich bin Adlib von der Crew Global Phlowtations. Seit kurzem gibt es Labwaste mit Subtitle und mir. Hoffentlich bringen wir bald zusammen was auf GSL raus. Ausserdem mache ich auch noch eine Menge Solosachen.

Kommst Du direkt aus Los Angeles?
Ich bin in Minnesota geboren, dann nach Richmond, Kalifornien, gekommen und später nach L.A.

Auf der Tour haben wir Dich leider nur an den Beats und nicht am Mic gesehen, Du rappst doch auch?
Ja, bei Global Phlowtations, einer neun köpfigen Crew, habe ich die meisten Beats gemacht aber auch viel gerappt. Bei Labwaste rappen Subtitle und ich gemeinsam. Im August oder September wird ein Album auf Mush rauskommen, auf dem auch Raps von mir sein werden. Auf der Tour promoten wird Subtitle’s Veröffentlichung. Ich unterstütze ihn beim Sound. Neben den Remixes habe ich auch seine ganze Platte gemastert. Und für Radio Vago mische ich auf der Tour auch live den Sound.

Wieviele Solo-Alben gibt’s von Dir?
Insgesamt acht Stück. Das erste ist Vs. mit zehn Songs von 1998, dann gibt’s Tune In mit 17 Songs, auf diesen beiden rappe ich. Dann gibt’s noch die Instrumental Alben Operating The Generator Vol. 1 & 2, die ich beide komplett auf der Playstation produziert habe. Save Us sind Beats, die ich auf der MPC produziert habe. Experience Experiments sollte auf Celestial Recordings rauskommen, die leider pleite gegangen sind. Kürzlich kam Advanced Sound Unit, auch alles Instrumentals und Manipulator mit zwölf Remixes, das jetzt rereleased wird.

Wo gibt es die?
Hauptsächlich bei Amoeba in Hollywood, weil ich da arbeite. Es wird die ganze Sammlung demnächst auch wieder auf verschiedenen Websites geben: ATAK Worldwide und LA2TheBay.

Welche Global Phlowtations Alben gibt es?
Wir haben Nucleus gemacht, das wir 1998 angefangen haben und 2000 fertig gestellt haben. Wir hatten einen Investoren, der Geld ins Album gesteckt hat und sind mit ihm zusammen durch einige Probleme gegangen. Der Grund warum es so lange gedauert hat, war weil wir das Master nicht bekommen konnten. Es gibt einige Leute, die daran interessiert sind, daß das Album rauskommt. Sobald wir in der Lage sind, einen Deal mit einem dieser Independent Labels aufzustellen, werden wir es dieses Jahr offiziell rausbringen.

Wer gehört alles zu Global Phlowtations?
Zagu Brown, Okito, Narib, ich, Ambush, Inoe, Orko, Sach, der auch bei The Nonce ist, und ursprünglich sogar Mikah Nine.

Wenn man in L.A. ist, welche Spots sollte man besuchen, Plattenläden oder was auch immer?
Bei Plattenläden würde ich sagen Amoeba, aber nicht nur weil ich dort arbeite. Es ist wirklich der größte Independent Store in der ganzen USA. Wir haben eine Menge gutes Zeug da. Arons Records ist gut, Fat Beats und Beatnutstop sind auch einige gute Plätze, die alle leicht zu finden sind. Zu den Clubs: Es gibt eine Menge gute Hiphop-Shows in der Knitting Factory, aber keinen wöchentlichen Hiphop-Club. Hoffentlich gibt es bald wieder einen. Es gibt viel Drum’n’Bass und elektronisches Zeug, House und sowas.

Gehst Du auch von Zeit zu Zeit ins Project Blowed?
Ja, nicht so oft wie früher, wo ich jeden Donnerstag da war. Ich hing dort viel rum und brachte eine Boombox voll mit Beats mit. Wir freestylten und hatten Spaß. Leute wie CVE und Aceyalone tauchen immer noch auf, aber es gibt eine neue Project Blowed Generation, die kommt und ihren Namen bekannt macht.

Machst Du Rap oder Kunst oder beides?
Definitiv Beides. Natürlich rappen wir, aber es sind viele Elemente drin enthalten: elektronische, Rock und ich versuche lediglich eine Menge verschiedenes Zeug damit zu machen. Ich fühle, daß es Kunst ist, ohne sich aber von HipHop abzuwenden.

Was brauchst Du für eine Umgebung, um kreativ zu sein?
Ich brauche eine ruhige Umgebung, um die Ideen in meinen Kopf steigen zu lassen und sie umzusetzen. Es ist gut mit vielen Leute zusammenzuarbeiten, mit denen man sich wohl fühlt, so kann man gegenseitig die Ideen austauschen. Das macht es einfacher, wenn man nicht alles selbst machen muß.

Welches sind im Moment die 3 innovativsten Produzenten für dich?
El-P’s Sound mag ich sehr gern. RJD2 fält in die gleiche Kategorie. Madlib ist kreativ, auch wenn ich mir nicht alles von ihm kaufe.

Kennst Du Madlib auch persönlich?
Ja, er kommt oft zu Amoeba. Ich bin 1996 darauf aufmerksam geworden, wer er ist. Es ist sonderbar, wenn wir bei den gleichen Shows waren, er ist Madlib und ich bin Adlib. Wir sind jetzt nicht enge Freunde, aber ich respektiere ihn sehr.

Was hast Du für Pläne für die fernere Zukunft?
Hoffentlich bin ich in einigen Jahren in der Position, die Musik zu machen, die ich machen möchte, in einer Umgebung die ich mag und habe einiges an Equipment. Vielleicht werde ich irgendwann Musik für Werbung oder Videospiele machen. Es ist gut Alben rauszubringen, aber ich will mich nicht darauf verlassen müssen, welche rausbringen zu müssen.

In Berlin sind die Leute bestimmt abgegangen?
Ja, ich war von der Resonanz überrascht. Denn ich bin davon ausgegangen, daß die Leute, die Mars Volta sehen wollten, keine Ahnung haben, wer Subtitle und ich sind. Ich glaube, in L.A. gibt es wenige, die wissen, daß es hier ein großes Publikum gibt, die an unserem Underground HipHop interessiert sind. Wenn sich das herumspricht, machen sich bestimmt noch mehr die Mühe und kommen her.

Noch was zu erzählen?
Ich hatte vor der Tour gedacht, daß hier alles ganz anders ist. Es ist gut zu sehen, daß die Städte in denen wir bisher waren, wie Berlin, Prag, Rotterdam, Amsterdam, alle gute Musikszenen haben. Ich bin froh, zu sehen wie die Leute die Herausforderung am Neuem annehmen.